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Dienstag, 19. Juni 2012

als wärs erst gestern gewesen


samstag, 17.3.2012:
gegen 10 - ein anruf von omas nachbarn. mein bruder geht dran. ' na klar ist papa da, ich geb ihnen den mal'. er rennt los zu papa. papa kommt in die küche, schlüssel in der hand im totalen stress. die angst steht ihm in den augen geschrieben. 'michelle , du bleibst heute zuhause, irgendwas stimmt mit oma nicht'. mein bruder geht nach unten, zu unserer anderen oma. im badezimmer vor dem spiegel bleibe ich wie angewurzelt stehn. tausend gedanken schießen mir durch den kopf: ist sie gefallen? oder gestorben? ich hätte sie einfach überreden sollen zum arzt zu gehn. tränen steigen mir in die augen. ich hab angst
gegen halb 11 - ich habs mir inzwischen gemühtlich gemacht auf der couch mit laptop auf dem schoß. ein bisschen im sozialen netzwerk rumstöbern + ein bisschen in den gruppen schreiben. gerade eine nette unterhaltung mit M gehabt, schließlich klingt sich auch N ein. ich schaff es nicht ein lächeln übers gesicht zu bringen, als ich seinen kommentar lese, aber irgendwie hat es mich trotzdem gefreut.
oma von unten kommt hoch. sie rennt die treppen hoch. im wohnzimmer angekommen beginnt sie ihren satz mit ' es ist was schreckliches passiert '. ich seh die tränen die langsam über ihre wangen kullern. ' oma ist gestorben ..'. ich höre auf zu atmen und hoffe, dass sie nur scherze macht, aber ich wusste, dass sie es ernst meinte. ich breche in den armen meiner oma in tränen aus. ich denke nicht mehr. ich weine nur noch. oma nimmt mich bei der hand und will mich mit nach unten nehmen. zuerst bleib ich stur auf dem sofa sitzen, doch dann sagte oma , dass sie nicht möchte, das ich alleine bin und ich erhebte mich. die knie zittern. mein bruder wusste noch nicht bescheid. als wir unten angekommen waren , berichtete oma ihm davon. alle 3 weinen wir zusammen. ich kanns einfach nicht begreifen, 2 tage davor, hatte ich doch noch mit ihr telefoniert. ich steh auf um mich nach draußen  auf die treppe zu setzen. ich rufe kate an, um ihr zu berichten, was passiert war. wars nur doofes gerede von ihr, dass sie sagte, das sie es nicht fassen könne und das ich sie nicht verarschen sollte? damit sie nicht merkt, dass ich weine, lege ich lieber auf. inzwischen ist auch mein onkel bei uns angekommen, er nimmt mich wieder mit rein. ich steige die treppen hinauf um mir eine jogginghose anzuziehen. angekommen im wohnzimmer nehm ich mir den laptop. der unperfekteste zeitpunkt, ich weiß, aber ich musste doch M erzählen , was passiert war. er mit seinem gespielten mitleid. ich steige wieder die treppen hinunter. ich lege mich in den arm meiner oma. eigentlich wollte ich allein sein. niemanden bei mir haben, aber ich wusste , ich muss für meinen bruder da sein. ich war ihm garkeine hilfe. ich weine. die ganze zeit mit ihr schwirrt mir durch den kopf. oma macht mir einen beruhigungstee, der nicht nur nichts hilft, sondern auch wiederlich ist. ich sitze einfach nur da und starre die decke an, mit meinen gedanken bei oma. hätte ich anders handeln sollen? hätte ich mehr für sie da sein sollen? ich mache mir vorwürfe. opa kommt von seinem einkauf wieder. es gibt pizza. am tisch versuch ich meine tränen zu unterdrücken , doch es geht einfach nicht. ich fange wieder an zu weinen  und lasse die pizza unberührt. ich setze mich in den sessel und warte weinend die zeit ab. wann kommen papa und mama endlich wieder? mama hat extra ihre langersehnte shoppingtour abgebrochen um für , papa , meinen bruder + mich da zu sein. als ich wieder auf dem sofa platz genommen habe, kommt mein papa wieder. ich hab gesehn , wie traurig er war, doch er weinte nicht. er setzt sich zu mir, nimmt mich in den arm und sagt nur ' oma hatte keine schmerzen '. das glaub ich ihm nicht, doch ich sage nichts und weine. irgendwann bin ich dann für eine halbe stunde eingenickt, ich weiß allerdings nicht, wie ich das gemacht habe. als ich aufwache sitzen meine tanten , papa , oma + opa zusammen am tisch und lachen zusammen ,als wäre das alles gerad nicht passiert. ich bleibe liegen und wieder denk ich an oma, die jetzt vermutlich schon wieder oben bei opa ist. ach wie ich sie jetzt schon vermisse. mir kullern die tränen erneut über die wange, aber keiner bekommt etwas mit. papa , mama , mein bruder + ich gehn zurück in unsere wohnung. alle setzen sich aufs sofa. schon läuft wieder der fernseher. mein bruder an seinem laptop, ich an meinem , mama liest + papa schaut tv. was wohl gerade in seinem kopf vorgeht? er hat jetzt beide elternteile verloren. gegen 22 uhr geh ich rauf in mein zimmer. ich hab mich ein wenig versucht, mit musik aufzumuntern , aber nichts klappt. einen abend noch zu vor sagte ich noch zu S: wenn ich einmal nicht weiß , wo ich abends hingehen soll , geh ich zu oma.
das wars wohl damit. 3 nachrichtenfenster sind offen - T, M und M. T wollte unbedingt zu mir kommen und wahrscheinlich wieder ne runde mit mir lachen. versteht er nicht , dass er nervt und ich mit niemanden reden möchte? wie immer versteht er das nicht, ist ja klar. M erzählt mir von den Fußballergebnissen vom vortag. weil er es ist, muss ich kurz lächeln. ich klappe meinen laptop zu und geh zu bett. ein letzter blick auf mein handy - M. ich freu mich , dass er mir schreibt. eine kurze und herzlose antwort bekommt er zurück. nächste SMS. ich antworte ihm nicht. ich lausche einfach nur der musik , die in meinen ohren spielt. philipp poisel - wo fängt dein himmel an? - sofort kam alles wieder hoch und ich weine, wie noch nie. mein papa hat das mitbekommen und kommt nach oben. er setzt sich auf meine bettkante und streichelt mir über den rücken. er geht wieder die treppe runter. schon  steht mama in meinem zimmer. sie legt sich zu mir ins bett und ich lege mich in ihrem arm. so haben wir das früher auch immer gemacht, wenn einer traurig war. es tat so gut. sie redete nicht viel , sie sagt nur,  dass oma es nicht gewollt hätte, wenn ich weine. aber was soll ich denn machen? ich vermisse sie so sehr. mama wirft TKKG ein. sie bleibt die ganze nacht bei mir. gegen 5 bin ich eingeschlafen, als ich wieder wach geworden war, war mama nicht mehr da. ich ging nach unten. alle saßen zusammen im wohnzimmer , wie im vortag. ich geh duschen. gegen 14 uhr kommen meine onkel und tanten. unteranderem auch meine cousine , die genauso alt ist wie ich. ich und meine cousine sind den ganzen nachmittag alleine  , da meine eltern + der rest zu den vermietern gefahren sind, damit sie besprechen können , wie es weiter geht. ich hab schon die ganze zeit n kloß im hals.  meine cousine + ich reden viel über oma. wir begeben uns zu einer dönerbude. ein döner, ja der musste jetzt sein. abends kommen die anderen wieder   und berichten uns, was dabei rausgekommen war. ich arbeite mittlerweile schon seit november in einem altenheim , dem entsprechend war ich dann sauer, als ich hörte, dass die omas anziehsachen in das altenheim geben wollen, wo ich arbeite. ich rastete völlig aus. mama arbeitet doch selber dort, sie muss doch wissen , dass ich weine , wenn jemand in omas sachen über den flur läuft. ich hab mich durchgesetz. nach dem gespräch sind mama + ich dann zu meiner tante, um die trauerkarten zu machen. meine tante macht tolle karten. ich schwieg und setze mich auf die treppe. meine mama , mein onkel + meine tante nahmen am tisch platz. ein satz meiner tante hatte schon gereicht, dass ich wieder weinen muss. mama setzt sich zu mir und nimmt mich in den arm. meine tante entschuldigt sich tausend mal  und wir gehen die treppe hoch zu ihrem bastelraum. sie redete mit mir über alles. die letzten worte von oma , ich erinner mich noch genau : tut mir leid liebling, du kannst morgen nicht kommen ,mir geht es garnicht gut. 
ich bin so froh, dass ich ihr das alles erzählen konnte. endlich jemand, der auch einmal nachgefragt hat, wie es mir geht. mama gesellte sich zu uns, und wir versuchten gemeinsam den perfekten trauerspruch für meine oma zu finden. dann hatten wir ihn : Der tod ist nichts, ich bin ich. ihr seid ihr. das, was ich für euch war, bin ich immer noch. gebt mir den namen , den ihr mir immer gegeben habt. sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt. gebraucht nicht eine andere redensweise , seit nicht feierlich oder traurig. lacht über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben.
ich weiß , sie hätte sich genau das gewünscht! ich hab den einen der allerwichtigsten menschen meines lebens verloren und es tut weh. ich würde ALLES dafür geben , dich noch einmal in den arm nehmen zu können. wirklich! jedes mal, wenn ich an deiner wohnung vorbei laufen , steigen mir die tränen ins auge. was für erinnerungen daran hängen! oma, ich danke dir, dass du mein leben so bereichert hast. hätte ich dich nicht kennen gelernt ,könnte ich wahrscheinlich niemals stricken  und so leckere salatsoße machen. ein eingerahmtes bild von dir hat seinen platz dort gefunden , wo ich dich jeden tag seh! du bist einfach die beste. wir sehn uns wieder. ich vermisse dich wie nichts anderes auf der welt! ich liebe dich♥

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